Das eigentliche Problem: volles Spannungsband, aber falsch verteilt
DIN EN 50160 erlaubt am Hausanschluss eine Spannung von ±10 % um die Nennspannung. Bei einem konventionellen Transformator teilen sich Mittel- und Niederspannungsnetz dieses Band gemeinsam auf – Photovoltaik- oder Windeinspeisung auf der einen und hohe Lasten auf der anderen Seite zehren es an entgegengesetzten Enden auf. Ein rONT entkoppelt beide Ebenen: Das Niederspannungsnetz bekommt sein eigenes, volles Spannungsband, unabhängig davon, was auf der Mittelspannungsseite gerade passiert.
Wie viel das in der Praxis bringt
Der FNN-Hinweis zeigt es an einem realen Beispiel: Ohne rONT ist die zulässige Spannungsänderung durch Einspeiser auf ∆u ≤ 3 % begrenzt (VDE-AR-N 4105). Mit einem rONT und vollständiger Entkopplung lässt sich diese Grenze im Beispiel auf bis zu 8 % ausweiten – mehr als eine Verdopplung des nutzbaren Spannungsspielraums für zusätzliche Einspeise- oder Lastleistung, ohne eine einzige Leitung auszutauschen.
Für Netzbetreiber
- Netzausbau vermeiden oder verschieben: Der wesentliche Nutzen laut FNN-Hinweis ist die Substitution von konventionellem Kabel- und Leitungsausbau, dessen Kosten überwiegend durch Tiefbau getrieben sind.
- Dokumentierte Wirtschaftlichkeit: In den vier Anwendungsbeispielen des FNN-Hinweises ersetzte der rONT einen Stationsneubau samt Verkabelung zu Kostenverhältnissen von ca. 1:4 und 1:2,5, sparte gegenüber einer Kabelquerschnittserhöhung rund 28 % der Kosten ein und war in einem Fall mit Freileitungsnetz 6- bis 7-mal günstiger als die Alternativen.
- Schnell realisierbar, geringes Investitionsrisiko: Ein rONT passt meist in die bestehende Kompaktstation und ersetzt nur den Transformator – ohne die langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren eines Leitungsneubaus. Wird das erwartete Wachstum nicht real, lässt sich der rONT problemlos gegen einen Standardtransformator zurücktauschen und andernorts weiterverwenden (kein „stranded investment").
- Regulatorisch gleichgestellt: Eine rONT-Investition zählt wie klassischer Netzausbau als Kapitalaufwand (CAPEX) und wird nach der Anreizregulierungsverordnung verzinst – die Anreizregulierung ist technologieneutral.
- Zusätzlicher Hebel: Stationsgebiete lassen sich bei Bedarf zusammenlegen, wodurch sich sogar eine ganze Ortsnetzstation einsparen lässt, ohne das Spannungsband zu verletzen.
Für Industriekunden und Betreiber eigener Trafostationen
- Stabilere Versorgungsspannung für sensible Anlagen: Wer Frequenzumrichter, Steuerungen oder empfindliche Produktionsanlagen betreibt, profitiert von einer Spannung, die trotz schwankender Netzverhältnisse innerhalb eines engen, automatisch geregelten Bands bleibt – das reduziert das Risiko von Unterspannungs-Abschaltungen oder erhöhter Erwärmung bei Motoren durch dauerhafte Unterspannung.
- Mehr Spielraum für eigene Erzeugung und wachsenden Bedarf: Betriebe mit eigener PV-Anlage, Blockheizkraftwerk oder Ladeinfrastruktur für Fahrzeugflotten stoßen am eigenen Netzanschluss oft an dieselben Spannungsbandgrenzen wie ein öffentliches Niederspannungsnetz. Ein rONT an der eigenen Trafostation schafft hier zusätzlichen Spielraum, bevor eine kostenintensive Anschlussverstärkung nötig wird.
- Planungssicherheit bei Erweiterungen: Da die Realisierungszeit eines Transformatortauschs deutlich kürzer ist als die eines Leitungsausbaus, lassen sich Erweiterungsprojekte (neue Maschinen, zusätzliche Gebäudeteile, Ladepunkte) oft schneller ans Netz bringen.
- Kein Mehraufwand im Betrieb: Laut FNN-Hinweis unterscheiden sich Wartungsaufwand und elektrische Verluste eines rONT gegenüber einem klassischen Transformator nicht signifikant – der Zusatznutzen kommt ohne spürbar höheren Betriebsaufwand.
Häufige Fragen
Was ist ein regelbarer Ortsnetztransformator (rONT)?
Ein rONT regelt seine Übersetzung automatisch unter Last nach, statt sie wie ein konventioneller Transformator mit einem spannungsfreien Umsteller einmalig festzulegen. Das entkoppelt Nieder- von Mittelspannung.
Welches Problem löst ein rONT?
DIN EN 50160 erlaubt am Hausanschluss eine Spannung von ±10 % um die Nennspannung. Photovoltaik- oder Windeinspeisung und hohe Lasten zehren dieses Band bei einem konventionellen Transformator an entgegengesetzten Enden auf. Ein rONT gibt dem Niederspannungsnetz sein eigenes, volles Spannungsband, unabhängig von der Mittelspannungsseite.
Wie wirtschaftlich ist ein rONT im Vergleich zu Netzausbau?
Laut FNN-Hinweis ersetzte ein rONT in dokumentierten Beispielen einen Stationsneubau samt Verkabelung zu Kostenverhältnissen von ca. 1:4 und 1:2,5, sparte gegenüber einer Kabelquerschnittserhöhung rund 28 % der Kosten und war in einem Fall mit Freileitungsnetz 6- bis 7-mal günstiger als die Alternativen.
Löst ein rONT jedes Netzproblem?
Nein. Ein rONT löst kein Überlastproblem - die thermischen Grenzen von Transformator und Leitungen bleiben bestehen. Bei sehr langen Netzausläufern oder stark inhomogen belasteten Netzsträngen ist laut FNN-Hinweis eine Einzelfallprüfung nötig.
